NEUSSER ERLEBEN DEUTSCHEN DICHTER AUS DEN USA

In der deutschen Sprache seine zweite Heimat gefunden

Im bis zum letzten Platz gefüllten Kulturkeller erlebten an der Dichtung und Prosa Interessierte ein zweistündiges Programm deutscher Dicht- und Literaturkunst. Dr. Friedrich Thiel aus Ohio faszinierte seine Zuhörer mit Lyrik und Essays aus seinen veröffentlichten Büchern. Ausdrucksvoll vorgetragene Gedichte bannten die Zuhörerschaft, dass während des gesamten Programms eine gespannte Stille das historische Kellergewölbe erfüllte.

Das fünfteilige Programm bot abwechslungsreich Lyrik, Prosa, Informationen, Kommentare und Bilder aus dem Lebensbereich des amerikanischen Gastes. Als Urenkel eines deutschen Emigranten entdeckte Friedrich Thiel als junger Mann die Liebe zur Sprache und Kultur seiner Vorfahren. So studierte er an der renommierten Yale Universität Germanistik und promovierte mit einer Dissertation über Stefan George. Nach vielen Jahren als Professor für Germanistik wechselte er beruflich zum Anlageberater. Auch diese für ihn und seine Frau Barbara wichtige Entscheidung kommentierte er an diesem Abend und verband beide so recht unterschiedliche Berufe mit der Fähigkeit des „guten Zuhörens“.

Seine Liebe zur deutschen Sprache und Kultur prägen sein Leben, doch wohnt und arbeitet Friedrich Thiel in den USA. Dazu erklärt er: „Irgendwie ist Friedrich Thiel Staatsbürger der USA, schreibt aber nicht in einer heute dort herrschenden Sprache. Außerdem scheint er sich mit Deutschland ungewöhnlich gut auszukennen. Langsam begreift man: Er ist ein Zwitterding, Innen- und Außenseiter zugleich, dazugehörig und doch nicht dazugehörig.“

 

Die Veranstalter dieses Literaturabends, die Deutsch Amerikanische Gesellschaft Neuss und die Buchhandlung Ratka, waren mit dem Erfolg der Autorenlesung mehr als zufrieden. Nicht nur die faszinierende Persönlichkeit Dr. Friedrich Thiels, sondern auch die Vorstellung seines soeben veröffentlichten Buches „Meißen und Mahagoni: Amerika, wie es nicht jeder sieht“ brachten die Vorstellung zu einem kulturellen Höhepunkt. Auch die in Deutschland erschienen Gedichte und Essays aus „Der Raum, wo nur als Geist du liebst“ erlangten im Vortrag durch den Lyriker selbst Genussqualität deutscher Sprachkunst. Krönender Abschluss und Höhepunkt seines Auftritts hier in Neuss das bisher nicht veröffentlichte Gedicht (aus dem Jahr 2003) über das Quirinus Münster „Singende Beterin“  Zum Gedicht bitte hier klicken